Allgemeine Hinweise zur Pflanzenauswahl

Ein oft gehörtes und empört vorgetragenes Argument bei gärtnerischen Schicksalschlägen ist: "Und dabei war die Pflanze sogar von ... aus XYZ!"

"XYZ" sind dann Standorte wie Pillnitz in Sachsen oder Inseln im Bodensee, die völlig zu Recht als Lieferanten großartiger Pflanzen gelten. Jedoch stimmen die Standortfaktoren mit denen des KGV Bergmannsheil nicht überein:

Pillnitz liegt zum Beispiel in mildwarmen Weinbauklima auf eher sandig-steinigem Sedimentboden. Bodenseeinseln werden durch den sie umgebenden und ausgleichenden Bodensee insbesondere im Winter von allzu harten Bodenfrösten verschont (Bodenseeklima). Nur dadurch ist Europas höchstgelegenes Weinanbaugebiet überhaupt möglich. Der Boden ist eher kalkhaltig. Beide Standorte profitieren von gelegentlichen Föneinfluß der benachbarten Gebirge Elbsandsteingebirge bzw. Alpen.

Im Vergleich dazu ist der Boden im KGV Bergmannsheil eher lehmig, feucht und wenig durchlassig. Durch die Bombeneinschläge im zweiten Weltkrieg wurde der Boden durch die Druckwellen in der Tiefe hochverdichtet. Zusätzlich wurde vermutlich beim Verfüllen der Bombenkrater auf die Schlacke der Rombacher Hütte zurückgegriffen. Das bedeutet für die Ansprüche vieler Pflanzen, dass viel getan werden muss, bis man den oft gewünschten "tiefgründig lockeren, humösen Boden" erhält. Andererseits hält lehmiger Boden Nährstoffe besser als zum Beispiel sandiger Boden. Pflanzen, die Staunässe nicht gut vertragen, haben jedoch häufig Probleme zumindest bei den flachen mittleren und östlichen Gärten. Beim Bewässern neigt lehmiger Boden zum Verschlämmen und wird wenig durchlässig. Häufiges Bodenlockern mit der Hacke und Mulchen wirken dem entgegen. Rindenmulch kann jedoch beim Einarbeiten in den Boden zu sehr sauren Bodenverhältnissen und schlechter Nährstoffaufnahme führen. Rasenschnitt und Stroh erscheinen da passender zu sein.
Das Wetter im KGV Bergmannsheil ist vergleichsweise rau, d.h. im Sommer heiß-trocken und im Winter feucht-kalt mit länger anhaltenden Frostperioden.

Was heißt das nun für die Pflanzenauswahl?
=> Saat- und Pflanzgutanbieter lokal in Westfalen oder im Norden bevorzugen (z.B. in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt)
=> mit Sorten und Arten, die als "frostsicher" oder "sehr frostsicher" deklariert sind geht man auf Nummer sicher. Bei allen "eingeschränkt frostfesten" Pflanzen sollte man im Spätherbst gut abdecken, einschlagen oder gar zu Hause überwintern.
=> Wenn man Kalken will, muss man sich darauf einstellen, dass das ein immer wiederkehrender Vorgang sein wird, da der Boden von Natur aus immer leicht sauer sein wird. Kalkliebende Pflanzen haben einen schwereren Stand.

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